Barcelona: Hay que calor, hay que maravilloso, hay que Urghh !¿!

Wie kann in so kurzer Zeit so viel passieren? Wir liegen völlig erschöpft ausserhalb von Barcelona in einem cleanen Hotel unter der Klimanalage und nichts davon sollte so sein.

Ok, andersrum; Donnerstag früh um 4 Uhr klingelte der Wecker und wider Erwarten war keiner ausgeschlafen. Während drei von uns recht gut in der Emotionsverarbeitung waren, konnte einer den Schlafentzug und die damit verbundene Laune nicht gut von der Schwerkraft trennen.

Abfahrt bei Sonnenaufgang

Tatsächlich hat alles was das Bahnfahren angeht super geklappt, kein Zug hatte Verspätung und bis Frankreich gab es nichts zu meckern. Sogar diese Interrailticket-Nummer verlief absolut unproblematisch, kein „Sie müssen aber erst den Nippel durch die Lasche ziehen-Dingens“, einfach vorzeigen und abbeepen. Super toll.

Gefreut hatten wir uns auf den TGV samt Kaffee der in unserer Erinnerung ein grossartiger cafe con leche aus der irre guten Kaffemaschine war und sich dann im Reallife als aufgebrühter Pulvercappucchino entpuppte – ja, so haben wir auch geguckt.

Aus purem Egoismus haben wir 1. Klasse Interrailtickets gekauft und dabei die Idee gehabt, zwar wirklich gute CO2 Bilanzen zu hinterlassen, aber trotzdem super komfortabel zu reisen. Das erste haben wir übererfüllt, das zweite eher nicht so: Im TGV ging die Klimaanlage immer nur jeden 20. Km. Angekommen in Barcelona hatten wir bereits mehrfach geduscht. Es war so warm, oder wie der Spanier sagen würde: ¡Hay que calor!

Im Air BnB angekommen wurden wir mit wirklich pitoresken Zimmern und einer unglaublichen Dachterrasse empfangen. Die ganze Wohnung glich einem einzigen wunderbaren und märchenhaften Flohmarkt, ein Kind war ausser sich. Que maravilloso! So wunderschön. Eine gekühlte Flasche Weisswein erwartete uns und nach 15 Stunden Fahrt, unzähligen Bahnhofsbaguettes mit Käse und Schinken sanken wir erschöpft, weinbeseelt und umgeben von dutzenden Ventilatoren chinesischer Herkunft in unsere Betten – 1. Nacht.

Frühstück in der verwunschenen Küche

Am nächsten Morgen weigerte sich ein Kind aufzustehen und ein Kind rauszugehen; das war fein, wir gingen allein. Ein Kaffee corto in der Markthalle Santa Catharina…

Der Kaffee steht vor uns – muss man sich einfach ganz schön dazu denken

…und ein Erlebnis im Bahnhof. Wenn man nämlich in Spanien mit Überlandzügen fahren möchte, muss man dafür Sitzplätze extra buchen und das geht nur persönlich vor Ort am Schalter von Jorge. Der – wie er uns erzählte – jeden Tag dort sei, das ganze Jahr, denn schließlich bräuchte es wenigstens einen der das Land am Laufen hielte und wir fanden er hätte eine Medaille verdient. Jedenfalls hat sich Jorge geweigert uns mehr als eine Reservierung zu verkaufen und als wir mit der ersten fertig waren und die Schlange hinter uns auf 25 Personen angewachsen war, wussten wir warum. Alles nicht so einfach.

Der Tag plätscherte dahin mit tollem Essen, einem Ausflug zum Strand per Bahn und endete mit tollem Essen. Eigentlich rundum schön und maravilloso.

Am Strand

Bis das eine Kind gegen 0:30 im Schlafzimmer stand und sagte es hätte da was gefunden….

Wir schauten, schauten, vergrösserten und schauten und dann war es eineindeutig: Drei Exemplare cimex lectularius oder auch ganz ordinär: Bettwanze. URRGH! Weitere Suchen ergaben weitere Ergebnisse und nachdem wir eine halbe Stunde kollektiv vor lauter Überforderung in die Luft gestarrt haben endete unsere Nacht mit Hab und Gut auf der Dachterrasse.

Es war jedenfalls wenigstens nicht zu warm

Soweit wie möglich haben wir schon vor Ort alles geschüttelt und geschlagen, was stoffähnlicher Gegenstand war und nach der ersten „Wer sie gefunden hat, hat sie mitgebracht“ – Diskussion mit der Wirtin konnten wir uns auf „Keiner hat schuld, so isses eben“ einigen und haben fluchtartig das Etablissement verlassen.

Jetzt sitzen wir in einem cleanen Hotel unter der Klimaanlage, erschöpft vom Bugsearch im Bad und haben eine feste Verabredung mit einer 60 Grad Maschine und einem Tiefkühlfach. Hay que Urghh!

3 Gedanken zu „Barcelona: Hay que calor, hay que maravilloso, hay que Urghh !¿!“

  1. Das ist doch alles nicht Euer Ernst, oder?
    Tapfere Familie mit hoher Leidensfähigkeit und schon jetzt hohem Erlebnisfaktor!🙈
    Morgen ist übrigens Tag 3!
    Bin gespannt, ob Ihr alle weiter am Ball bleibt!?! 🫣
    Dickes Daumendrücken und eine dicke Umarmung !
    Liebe Grüße aus Oberbozen (auch mit dem Zug gut angereist)⛰

  2. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben…da geht schon beim Lesen der Puls hoch. Gut, dass ihr es nicht eilig habt. Bin gespannt, ob ihr diesen hohen Erlebnisfaktor halten könnt, und wünsche euch einstweilen Gelassenheit und gute Laune 🥳.

  3. Aber das klingt doch exakt nach dem Auftakt, den man sich für seine Reise als Bloggerin wünscht! Was ich vermisse, ist ein Foto von der Bettwanze (wobei, naja, leider kenne ich die aus alten Zeiten noch aus der Nähe). Aus Sicht der Leserin kann ich jedoch sagen: Je mehr abseitige Erlebnisse, desto unterhaltsamer für uns. Wir lesen jedenfalls mit Freude mit und verfolgen alles aufmerksam. (Mir sind noch Sachen eingefallen, die 1997 schön waren, aber ich nehme an, ihr seid gut durchgeplant, richtig?)

    Das TGV-Geständnis befreit mich ein wenig von Reiseneid, da wir mit dem 17 Stunden EC fahren, und ich – noch nie TGV gefahren, merke ich gerade – dachte immer, der sei so etwas wie das Kempinski auf Schienen. Unsere Zugfahrt nach Venedig beginnt jedenfalls am Freitag um 4.57 Uhr, aber ich habe natürlich den großen Vorteil, dass wir alle morgens sehr schlecht gelaunt und schweigsam sind, andererseits aber alle dringend in Urlaub fahren möchten.

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